Ok, cool!
Wir waren im Urlaub in einem Haus über Toulon. In die Stadt führte eine enge, sich den Berg hinunterschlängelnde Straße, die Fahrt dauerte vielleicht 20 Minuten. Wir hatten einen Strand ausgesucht, das Auto beladen, die Kinder saßen, ich fuhr aus dem Tor hinaus und merkte, dass da ein Gefühl war: Ich könnte mal aufs Klo.
Nun konnte ich die Kinder nicht bei 35 Grad einfach im Auto sitzen lassen, also fuhr ich los. Etwa auf halbem Weg merkte ich, dass ich mich verkalkuliert hatte. Ich stellte meiner Frau die Problematik dar. Sie fing an, nach Läden Ausschau zu halten, aber alles war geschlossen, im Wesentlichen, das musste ich mir eingestehen, befanden wir uns in einem Wohngebiet und ich hatte ein Zeitfenster von vielleicht zwei Minuten.
Meine Frau fragte, wie es mit meiner Bereitschaft aussehe, in der Natur zu machen. Ich versicherte ihr, dass sie sehr hoch sei.
„Ok, cool!“, rief sie.
Ich möchte über dieses „Ok, cool!“, sprechen, weil man in diesen zwei Wörtern Mutterschaft versteht. Denn Mütter sind nicht nur sehr optimistische Menschen, Mütter teilen diesen Optimismus auch mit ihrer Umgebung.
Meine Frau sagte „Ok, cool!“, mit einer Begeisterung, als hätten wir gerade das Rätsel um eine Schatztruhe gelöst, als hätte ich gerade gesagt, „Ich habe eine Lösung für den Nahostkonflikt entwickelt, kannst du eine Unterschriftenkampagne organisieren?“
Ich teilte den Optimismus meiner Frau nicht.
Ich fragte stattdessen nachdrücklich, unterstützt von meinem Bauchgefühl, was meine Bereitschaft ändere.
Denn wir befanden uns nicht etwa in einem Wald. Ich fragte meine Frau, ob ich nun vielleicht tin einen Friedhof machen sollte (ich sagte nicht „machen“) oder neben einen Mülleimer. Oder in einen Mülleimer.
Meine Bereitschaft, in der Natur zu machen, verbesserte meine Lage nicht im Geringsten.
Aber das „Ok, cool!“ und meine Infragestellung des Geisteszustands meiner Frau, mein mich Totlachen über meine absurd positive Frau, beruhigte meinen Bauch.
Ich konnte entspannt zum Strand fahren, souverän ein Strandcafé betreten, ein Eis kaufen, mich nach dem Weg zur Toilette erkundigen.
Blinder Optimismus hatte mich gerettet.
